Ab Februar 2020

Die Verwandlung eines Mythos

 

– Der Kampf gegen Quetzalcoatl in freier Dichtung und Ausschnitte aus Octavio Paz Hymnus 'Sonnenstein' –

 

Vielfältig sind die Überlieferungen der aztekischen Mythen und werden zum größten Teil nicht mehr verstanden. Finsternis und Licht gehen der gesamten Entwicklung dieser Kultur entlang: wir finden barbarisch Schreckliches wie auch Erhabenes. Wie konnten aber die in vieler Hinsicht brutalen und unmenschlichen Züge dieser alten aztekischen Kultur verwandelt werden? Von einem Weisheitsbringer menschlicher Gestalt und seinem unermüdlichen Kampf gegen den größten schwarzen Magier der aztekischen Kultur wird erzählt. Er unterrichtete die Menschen über ihren göttlichen Ursprung und gleichzeitig lehrte er sie einen würdigen Umgang mit den verschiedenen Berufen, das ruhige Meistern der irdischen Stoffe und den friedvollen Umgang miteinander. Drei Jahre lang leistete der finstere Magier Widerstand, an seiner Seite kämpfend die gefiederte Schlange (Quezal-Vogel / coatl-Schlange), bis der finstere Magier bezwungen werden konnte. Vieles davon wurde vergessen.

'Das Leben, wann ist es wahrhaft unser?' Ähnlich erzählt Paz, in die Moderne übersetzt, vom Auf und Ab des Lebens, aber auch von der Einigkeit, vom gemeinsamen Ursprung des Menschen; von der Weisheit, die wir im Traum vom Stein liegend verloren haben. Paz erzählt vom großen Ideal der Brüderlichkeit, so wie das Sonnenbrot als einzige Nahrung die Menschheit aus ihrem jahrhundertalten, dumpfen Steinschlaf erwecken kann. Nicht mehr als Mythos aber als Ideal erfindet Paz den Sonnenstein für den heutigen Menschen neu in Worten. Rund wie der aztekische Basalt-Stein endet das Gedicht mit den Anfangszeilen, das Ende ist gleichzeitig der neue Anfang.

 

Den Einstig in das Programm und in den Hymnus bildet eine Erzählung des Kampfes gegen dem Quetzalcoatl in freier Dichtung, dramatisch und bunt erzählt und mit der zauberhaften Begleitung von Querflöte, Klavier und der gefiederten Schlange, welche selber auf der Bühne tanzt.

 

'Es sang das Meer mit einem lichten Rauschen,

Die Mauern wichen, eine nach der anderen,

alle Türen zerbrachen, und die Sonne

drang jäh in meine Stirn ein, sengend, plündernd,

zwang auseinander die verklebten Lider,

zerfetzte die Verschnürung meines Wesens,

raubte mich meinem Selbstsein, sie entriss mich

meinem jahrhundertalten, dumpfen Steinschlaf,

und aufs Neue entstand ihr Spiegelzauber,

Weidenbaum aus Kristall, Pappel aus Wasser,

ein hoher Springquell, der sich biegt im Winde,

ein Stamm, verwurzelt, der sich löst im Tanze,

das Wandern eines Flusses, der sich windet,

vordrängt, zurückweicht, einen Umweg wandelt

und immer ankommt:'

 

Octavio Paz, México, 1957

 

Eurythmie | Victoria Cid, Nicolás Prestifilippo & Anna Radin

Sprache | Lucas Amerbacher

Musik | Georgy Sivak & Co.

Regie | Novalis Eurythmie Ensemble

Dauer: Ca. 60 Min. / Alter: Oberstufe, Erwachsene

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